Artikelverzeichnis
allgemeines, deutschsprachiges Artikelverzeichnis

Der Ursprung des Tarot

23 Aug

Autor: admin - Kategorie: Spiele

Die Spielkarten

Das älteste uns bekannte Kartenspiel stammt aus Venedig, wo es seit dem 14. Jahrhundert verwendet wird. Es besteht aus 78 Karten; die Zahl 78 entspricht der Addition der gesamten Zahlenreihe von 1 bis und mit 12. Das Kar­tenspiel wird in zwei unterschiedliche Kate­gorien geteilt.

Die erste besteht aus 22 Karten, die Tarot ge­nannt werden. Es handelt sich um symbo­lische Kompositionen, die offensichtlich zu ganz anderem Zwecke als dem Spiel geschaf­fen wurden und die Spieler verwirren. Diese wissen daraus nur Trümpfe zu machen, denen sie den Wert ihrer Ordnungszahl geben, ohne sich im mindesten um das Sujet der Karte zu kümmern. Man könnte sie ebenso gut durch weiße, nur mit der entsprechenden Zahl versehene Karten ersetzen. Es ist aber noch folgerichtiger, die eigentlichen Tarotkarten überhaupt aus dem Spiel zu entfer­nen, wie die spanischen Spieler, die nur die 56 anderen Karten bewahrt haben. Diese zweite Kategorie teilt man in vier Sätze oder „Farben“ von je 14 Karten. Sie unter­scheiden sich durch folgende Symbole: den „Stab“, den „Kelch“, das „Schwert“ und die „Münze“, welche „Kreuz“, „Herz“, „Pik“ und „Karo“ der gebräuchlichen Spielkarten entsprechen.

Jeder Satz besteht aus zehn Zahlenkarten: As, 2, 3 etc. bis 10, und aus vier Hofkarten: „Kö­nig“, „Königin“, „Ritter“ und „Bube“. Alle in den verschiedenen Ländern üblichen Kartenspiele sind mehr oder weniger starke Abänderungen des ursprünglichen Spiels, das sich in seiner Ganzheit in Italien, in der fran­zösischen Schweiz, in der Provence und in Ostfrankreich bis zum Elsass erhalten hat. Der Name Tarot ist auf das ganze Spiel über­tragen worden, obwohl diese Bezeichnung nur den 22 Karten zukommt, die wie folgt be­nannt sind:

I Der Magier
II Die Hohepriesterin (Juno)
III Die Herrscherin
IV Der Herrscher
V Der Papst (Jupiter)
VI Die Liebenden
VII Der Wagen
VIII Gerechtigkeit
IX Der Eremit
X Das Rad des Schicksals
XI Kraft
XII Der Gehängte
XIII Der Tod
XIV Die Mäßigkeit
XV Der Teufel
XVI Der Turm
XVII Die Sterne
XVIII Der Mond
XIX Die Sonne
XX Gericht
XXI Das Universum
  Der Narr

Das sogenannte Buch Thot

Bis ins 18. Jahrhundert wurde der Tarot nur als uninteressanter Überrest einer barbari­schen Zeit betrachtet. Niemand beachtete ihn, bis im Jahr 1781 das Werk Le Monde Primitif von Court de Gebelin erschien, wo es in Bd. VIII, S. 365 heißt:

„Wenn man erfahren würde, dass in unseren Tagen noch ein Werk der alten Ägypter existiere, eines der Bücher, das den Flammen entrann, die ihre herrli­chen Bibliotheken zerstörten, und das ihre wichtig­sten Lehren enthält, so wäre zweifellos jeder begierig, ein so wertvolles und außerordentliches Buch ken­nenzulernen. Würde dem hinzugefügt, dieses Buch sei in einem großen Teil Europas sehr verbreitet und jedermann seit vielen Jahrhunderten zur Hand, so würde sich das Erstaunen gewiss vergrößern. Die Überraschung wäre perfekt, würde uns versichert, der ägyptische Ursprung dieses Buches sei nie erahnt worden, man besitze es, als besäße man es nicht, da niemand je versucht hat, auch nur eine Seite davon zu entziffern, und die Früchte so ausgezeichneter Weisheit würden als eine Ansammlung komischer Figuren betrachtet, die an sich nichts bedeuteten. Müsste man nicht glauben, jemand leiste sich einen Scherz und wolle seine Hörer zum Narren halten? Und doch trifft all dies zu: Dieses ägyptische Buch, einziger Überrest der herrlichen Bibliotheken, exi­stiert heute noch. Es ist sogar so allgemein gebräuch­lich, dass kein Gelehrter es je einer Untersuchung ge­würdigt hat; vor uns hat niemand je seinen illustren Ursprung geahnt. Dieses Buch ist das TAROT-SPIEL…“

Court de Gebelin behauptete recht willkür­lich, der Tarot sei ägyptischen Ursprungs. Es genügte ihm, den symbolischen Charakter der Figuren zu entdecken, die bisher als Phanta­sieprodukte betrachtet wurden, um sogleich darin Hieroglyphen zu sehen, die den Weisen des tiefsten Altertums zugesprochen werden müssten. Das scheint mir doch ein voreiliger Schluss zu sein.

Doch eine Hypothese, die die Imagination anregt, wird nie aufgestellt, ohne sogleich auf­genommen und ausgedehnt zu werden. Ein Perückenmacher namens Alliette, der unter dem Namen Eteilla zum Hohepriester der Kartomantie wurde, erklärte, der Tarot sei das älteste Buch der Welt und das Werk des Hermes-Thot. Nicht genug damit, hielt er sich auch noch für zuständig, ein so wichti­ges Dokument zu revidieren; aber dieser „eher phantastische als gescheite Kopf“ ver­mochte nur, einen ungenügend vertieften Symbolismus zu verfälschen. Für Ägypten spricht ebenfalls Paul Christian in seiner Histoire de la Magie. Dieser Autor lässt uns an einer Einweihung in die Osiris-Mysterien teilnehmen. Mit ihm dringen wir in die Krypten der großen Pyramide von Memphis ein, wo der Myste schreckliche Prüfungen be­stehen muss. Er wird zum Eingang einer Ga­lerie geführt, deren doppelte Wand durch je 12 Pilaster in 22 mit hieroglyphischen Zeich­nungen geschmückte Flächen geteilt ist. Dies sind die Prototypen des Tarot. Der Kandidat schreitet nun diese Bilder ab, welche die Ge­heimlehre der Hierophanten enthalten. Ein Pastophor, ein Wächter der heiligen Symbole, gibt ihm die Erklärungen, welche die initiato­rische Unterweisung des Neophyten bilden. Es ist ärgerlich, dass diese Galerie den Ägyptologen ganz unbekannt ist; diese haben keine Spur des Wand-Bilderbuchs des Hermes ge­funden, von dem die letzten Eingeweihten eine Kopie angefertigt haben sollen, als sie -von den Christen verfolgt – sich zu fliehen anschickten und das Heiligtum verließen. Nach der hier vorliegenden These seien die heiligen Hieroglyphen, auf tragbaren Täfel­chen nachgebildet, den Gnostikern, dann den Alchemisten übergeben worden, von denen sie zu uns gelangten.

Den Verfechtern einer solchen Überlieferung kann man zugestehen, dass die Ideen, die dem Tarot zugrunde liegen, sehr alt sind. Die Ideen haben kein Alter, sie sind so alt wie das menschliche Denken; aber je nach Epoche wer­den sie unterschiedlich formuliert. Die alexandrinischen philosophischen Systeme haben sie mündlich, der Tarot aber später in Sym­bolen ausgedrückt. Wenn auch nicht inhalt­lich, so zeigt sich doch der Tarot formal als etwas unbezweifelbar Originelles, das in nichts frühere Vorbilder nachahmt. Der Archäologie ist nicht die leiseste Spur von Überresten eines ägyptischen oder eines gnostischen Tarot, ja auch nicht eines alchemistischen Tarot, grie­chisch-arabischer Herkunft, bekannt.

Author admin

Kommentare sind zu diesem Thema nicht möglich.


top